Wissenschaftskommunikation, Beratung und Interessenvertretung in öffentlichen Debatten

Cover des Handbuchs

“Science communication, advising, and advocacy in public debates” so lautet der Titel des Beitrag von Philipp Schrögel und mir im frisch erschienen Handbuch “Science Communication” von Annette Leßmöllmann, Marcelo Dascal und Thomas Gloning bei De Gruyter. (Leider sind weder Buch noch Beitrag OpenAccess.)

Der englische Text widmet sich inwiefern sich die traditionelle Politikberatung durch die Wissenschaft in den letzten Jahren geöffnet und damit verändert haben und was das mit Wissenschaftskommunikation zu tun hat.

Zusammenfassung (übersetzt)

Traditionelle wissenschaftliche Politikberatung fand früher hinter verschlossenen Türen in beratenden Gremien als Dialog zwischen Wissenschaftler*innen und politischen Entscheidungsträgern statt. Die entsprechenden Modelle für die Interaktion sind grundlegende lineare Arrangements, die jeweils einer der Seiten klare Rollen und Vorrang einräumen.

Diese Prozesse wurden jedoch auf öffentlichen Druck für mehr Partizipation und deliberative Entscheidungsmodelle hin geöffnet. Heute erfordern immer komplexere politische Entscheidungen, wie die Bewertung des Klimawandels und der notwendigen Maßnahmen, mehr wissenschaftlichen Input. Gleichzeitig hat die Medialisierung von Politik und Wissenschaft zu einer intensivierten, vielfältigeren und akteursübergreifenden Kommunikationslandschaft geführt. Dementsprechend findet auch Wissenschaftskommunikation nicht in einer isolierten Sphäre statt, sondern mitten in politischen und gesellschaftlichen Debatten – Wissenschaftskommunikation wird von manchen als politische Kommunikation verstanden.

Die hier vorgestellten Fragen sind nicht neu, werden aber dennoch intensiv diskutiert: Was ist neutrale Wissenschaftskommunikation bzw. Politikberatung und welche parteiische Fürsprache? Lassen sich so genannte “wissenschaftliche Fakten” und Werte überhaupt voneinander trennen? In welchem Maße sollten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aktiv für politische Entscheidungen eintreten – oder sollten sie es nicht tun? Während die Diskussion in erster Linie normativ geführt wird, ist die empirische Evidenz über die Auswirkungen von wissenschaftlicher Advocacy auf Bürger und Politiker spärlich und zeichnet diesbezüglich kein klares Bild.

Der vorliegende Beitrag stellt die Entwicklung des Nexus von Wissenschaft und Politik dar und gibt einen Überblick über die empirische Forschung und die verschiedenen Perspektiven auf Wissenschaftsberatung und Advocacy.

Philipp Schrögel, Christian Humm (2019). 23. Science communication, advising, and advocacy in public debates. In Annette Leßmöllmann, Marcelo Dascal, Thomas Gloning (Eds.), Science Communication (pp. 485–514). Berlin, Boston: De Gruyter. https://doi.org/10.1515/9783110255522-023

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