Der folgende Artikel sollte eigentlich in der jüngsten Ausgabe der Trierer Campuszeitung “Neue Universal (nu)” (#80 Juni 2009) erscheinen. Der Redaktion war der Text allerdings zu “meinungslastig”, weshalb schlussendlich nur eine stark gekürzte, sprachlich holprige Bildunterschrift veröffentlicht wurde. Nun kann man über Sinn und Unsinn eines vorgeblich “neutralen” Journalismus vortrefflich streiten, insbesondere im Bereich des Rechtsradikalismus. In meinen Augen ist ein solcher zum einen Mumenschanz – insbesondere wenn man die anderen Artikel in der nu liest – und zum anderen angesichts des aktuellen Medienwandels auch gar nicht wünschenswert. Aber dies soll nicht Gegenstand dieses Posts sein, deshalb hier nun mein ursprünglicher, nicht veröffentlicher Text:
Nazis in „uns schöner Trier“? Seit die „Kameradschaft Moselland“ Ende 2005 ihre Aktivitäten einstellt, blieb es in dieser Hinsicht in Trier eher ruhig. Anlässlich der Kommunalwahlen tauchte nun allerdings ein alter Bekannter wieder auf – Safet Babic, seines Zeichens Kreisvorsitzender der NPD Trier, schickte sich an einen Sitz im Stadtrat zu erringen. Einigen wird der ewige Jurastudent vielleicht noch auch aus seiner Zeit als Mitglied des Studierendenparlaments bekannt sein. Damals schafft es Babic sich über eine Tarnliste mit dem klangvollen Namen „Freiheitliche Soziale Liste“ ins StuPa wählen zu lassen und sorgte dort für einige Aufregung. So verklagte er u.a. den AStA, wenn auch erfolglos.
Doch zurück zum Hier und Jetzt. Seit Beginn des Kommunalwahlkampfs treten die Rechtsradikalen wieder verstärkt im Stadtbild auf. Immer öfter auch mit roher Gewalt. In der Nacht zum 19. Mai etwa lauerten mehrere Rechte drei Antifaschisten – die zuvor von der Polizei unter dem Verdacht, sie hätten NPD Wahlplakate beschädigt, festgenommen worden waren – auf und griffen diese an. Dabei verletzen sie eine Person so schwer, dass diese mehrere Tage im Krankenhaus verbringen musste. Pikanterweise soll sich unter den Tätern auch Babic befunden haben. Wenige Tage zuvor waren im Wohnumfeld eines Mitglieds der Trierer Linkspartei Drohbriefe mit eindeutig neonazistischem Hintergrund aufgetaucht, in welchen der Adressatin unverhohlen mit Vergewaltigung gedroht wurde.
Die NPD-Aktivitäten blieben jedoch nicht ohne Reaktion. So protestierten am 30. Mai bis zu 800 Menschen gegen eine Wahlkampfkundgebung der NPD auf dem Simeonstiftplatz, nachdem sich schon am frühen Morgen ein breites antifaschistisches Bündnis unter dem – leicht infantil wirkenden – Motto “Gemeinsam stärken gegen Nazis” zum Picknick auf dem Viehmarkt traf. Auf Seiten der Neonazis hingegen versammelten sich nur 29 Personen und dies obwohl der NPD Bundesvorsitzende sprach.
Knapp eine Woche später, am 5. Juni, zogen über 1000 Demonstrationsteilnehmer durch die Trierer Innenstadt um nochmals ein Zeichen gegen Rechtsradikalismus und die NPD zu setzen. Anlässlich der Demo stellte sich eine ungewohnte Einigkeit ein: Von DKP, Linkspartei und diversen Antifagruppen bis hin zur UBM unterstützte quasi das gesamte politische Spektrum Triers die Veranstaltung – einzig CDU und FDP wollten nicht mitspielen.
Bei den Stadtratswahl konnte die NPD allerdings trotz der Demo – oder wegen, wie Zyniker meinen würden – einen Sitz erringen. 1,1% der Stimmen entfielen auf die Nationalisten und macht deutlich, welche ganz eigenen Konsequenzen diese Wähler aus der Shoah gezogen haben. Ob die Anwesenheit Babics im Rat allerdings großen Einfluss auf die Trierer Politik haben wird ist fraglich. Ein Blick nach Sachsen zeigt, dass – vorausgesetzt die anderen Parteien stellen sich geschlossen gegen die NPD – ihnen wenig mehr übrig bleibt als verbale Poltereien. Das ist immer noch ärgerlich genug, aber die Gefährlichkeit des Rechtsradikalismus liegt woanders.
20. Juni 2009 um 13:38 Uhr
Vielleicht wurde der Bericht nicht veröffentlicht, weil er langweilig und ziemlich nichts-sagend ist. Das würde mich aber angesichts der Artikel, die es ins Blatt schaffen, überraschen.
11. Oktober 2009 um 15:41 Uhr
In der (nu) wird eine Trennung von Kommentar und sachlichem Artikel angestrebt, das ist richtig. Kommentare können als solche gekennzeichnet aufgenommen werden. Das war aber nicht der Grund, warum der Artikel gekürzt wurde. Es gibt oder gab in der (nu) eine Mehrheit von Redakteuren, die es ablehnt, der NPD ein Forum zu schaffen. Im Normalfall versuchen wir eine wertneutrale, parteienunabhängige Berichterstattung zu liefern, aber hier machen wir gerne mal eine Ausnahme. Ansonsten: Christian, wenn Du es besser kannst, dann schreib doch gute Artikel für die (nu). Nur rummeckern ist meiner Meinung nach nicht fair gegenüber denjenigen, die ihre Freizeit unentgeltlich in solche Projekte stecken und sich alles über den Journalismus selbst erarbeiten müssen. (Im Übrigen bin ich nicht die zuständige Redakteurin, ich antworte hier nur, weil ich es zufällig entdeckt habe.)
11. Oktober 2009 um 22:58 Uhr
Der NPD wird also ein Forum geboten, wenn über sie berichtet wird? Das finde ich doch reichlich naiv, denn letztlich handelt es sich dabei doch nur um ein feiges Wegsehen. Das Problem des Rechtsradikalismus wird aber nicht durch Wegsehen gelöst werden, ganz im Gegenteil.
07. April 2010 um 13:18 Uhr
auch das problem des linksradikalismus wird nicht durch wegsehen oder weghören gelöst werden.das pulver mit dem nach babic gezielt wurde ist nach alter hornberger tradition längst verschossen und verraucht.unter demokratie verstehe ich,daß man seinem politischen gegner zuhören sollte,bevor man national mit nazi asoziiert.die blüte dieser engstirnigen dummheit lieferte wohl gerd delling bei den olympischen winterspielen im japanischen nagano ab.auf die frage eines reporterkollegen-warum im öffentlichen fernsehen kein medaillenspiegel veröffentlicht werde-antwortete delling:ard und zdf sind vor beginn der spiele übereingekommen,keinen zu veröffentlichen-UM ERST KEINE NATIONALISTISCHEN EMOTIONEN HOCH KOMMEN ZU LASSEN!!!!!!ich war ein schlechter deutscher,denn ich habe mir meinen eigenen medaillenspiegel zusammen gebastelt und mich über jede gute leistung eines deutschen athleten gefreut.welch ein glück,daß ich nicht erwischt wurde.heute kann ich es ruhig gestehen,denn nach rücksprache mit meinem anwalt habe ich die gewißheit,daß diese unselige straftat der gehorsamsverweigerung die grenze der verjährung überschritten hat.an die gegner der nationalen:kämpft weiter für euren traum,aber mit allen demokratischen und rechtsstaatlichen mitteln.dazu gehören sicherlich nicht die vermummung,steine werfen,polizeiautos in brand zu setzen und nur so aus spaß an der freude sich schlägereien mit den ordnungshütern zu liefern.
08. April 2010 um 01:23 Uhr
Herzlichen Glückwunsch zu ihrem heroischen nationalen Widerstandsakt. Ansonsten bedürfen ihre Ausführungen, die wirr zu nennen wohl noch zu milde ist, keinem weiteren Kommentar.